Über das Schreiben und dass Jeder seinen eigenen Weg finden muss

Als ich die Sternschnuppen begonnen habe zu schreiben- damals 2009- da hatte ich keinen Plan. Ich wusste nicht, wohin ich wollte. Ich hatte keinen Plot. Alles, was ich wusste war, dass ich diese Geschichte brauchte. Ich ganz alleine. Und dass ich sie schreiben wollte.

Manchmal wünsche ich mich zurück in die Zeit.

In eine Zeit, in der ich einfach Charaktere erfunden, sie in ein Szenario geworfen und mit ihnen gemeinsam den Weg erkundet habe, den sie gehen mussten, um zu wachsen.

Als ich mir keine Gedanken darüber gemacht habe, ob ich nach der Schneeflockenmethode oder der 7- Schritte- Struktur plotte, ob mein Spannungsbogen passt und ob ich genug Wendepunkte habe.

Die Zeit, in der ich einfach geschrieben habe. Immer und immer weiter. Und wenn eine Geschichte eben nicht gut war, dann habe ich sie abgebrochen und dann wurde etwas Neues begonnen.

Ich habe immer geschrieben, was ich wollte, was ich brauchte und was ich selbst gerne lesen würde. Was mich begleitete und welche Personen gerade zu mir kamen und wollten, dass ich ihre Worte nahm und ihnen eine Welt gab.

Meine Sternschnuppen habe ich auf diese Weise geschrieben. Meine Rußfedern habe ich so geschrieben.

Die Ideen kamen zu mir und manchmal wusste ich, was ich in den nächsten Kapiteln sagen und wohin ich wollte, aber wenn eine Idee kam oder eine Person, die dieser Welt ebenso beiwohnen wollte, dann habe ich das oft genug umgeworfen und habe die neue Person und die neue Idee so lange erkundet und meinen anderen Protagonisten aufgedrängt, bis sie zum festen Teil meiner Welt wurde.

Jetzt habe ich oft das Gefühl, dass ich mir selber im Weg stehe.

„Du musst doch wissen, wo es hingeht“ und „Schreibe doch dein Exposé VOR dem Schreiben deines Buches.“

Ich habe das Gefühl, ich müsste alles planen und wissen und alles erfinden, bevor ich es geschrieben habe, damit ich den Worten mehr Gewicht geben kann, damit das Gesamtwerk plastischer und greifbarer wird. Ich habe das Gefühl, ich nur großartig schreiben, wenn ich plotte.

Und dabei ignoriere ich doch, dass das für mich nicht funktioniert.

Bei meinen Lichtsplittern bin ich mehrfach in handfesten Krisen gelandet, starre den Bildschirm an, habe das Gefühl, die Personen nicht greifen zu können und nicht zu wissen, was sie von mir wollen.
Das Projekt habe ich für eine Challenge begonnen, hatte zum ersten Mal ein Exposé geschrieben, bevor mein Buch fertig war und geglaubt, jetzt ja nur noch runterschreiben zu müssen.

Runterschreiben ist einfach, oder? Das könnte ich schnell innerhalb eines Monats, innerhalb eines NaNos schaffen.

Aber Pustekuchen. So funktioniert das nicht. Zumindest nicht für mich. Je mehr ich plane, je mehr ich weiß, wohin ich möchte und die Geschichte in diese Bahnen zwinge, desto mehr sträubt sie sich und entzieht sich mir.

Erst seitdem ich angefangen habe, in alten Mustern zu arbeiten, schreiten auch die Lichtsplitter wieder voran.

Ich habe ihnen Personen gegeben, von denen ich noch nicht weiß, wie ihr Platz in dieser Welt ist, was aber okay ist, weil ich die Personen mag und wir das zusammen schon rausfinden werden. Ich habe Ihnen das Schreiben gegeben und es gibt nichts Schöneres, als über den Zauber des Schreibens zu schreiben.

Und ich habe die Vampire angefangen. Ganz nach altem Muster, nach einer alten Idee und einem alten Romananfang, der sich in meinem Kopf festsetzte und dessen Personen unbedingt gehört werden wollten. Ganz wie bei den Rußfedern letztes Jahr- es ist nicht die Geschichte, die ich unbedingt schreiben möchte oder die ich schreiben müsste. Aber es ist die, die ich gerade brauche.

Also wahrscheinlich werde ich euch nie sagen können „Ich habe 14 Projekte in Planung und muss sie nur noch runterschreiben!“ aber ich werde immer schreiben und ich werde Geschichten zu Papier bringen, die vielleicht langatmig oder etwas skurril sind. Aber es werden immer Geschichten sein, die mir etwas bedeuten und ein großer Teil von mir, den ich abspalte und euch zeige.

Werden die Lichtsplitter trotzdem beendet? Na klar. Ich kann nur nicht versprechen, dass es dieses Jahr noch etwas wird

Und dann ist da noch meine aberwitzige Cyberpunk- SciFi- Fantasy Idee, die irgendwann mit Sicherheit greifbar und angefangen wird. Und dann seht ihr mich eh für 9 Jahre nicht mehr, weil ich dann wieder an einem 600.000 Wörter Epos arbeite udn ständig weine

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