Hilfsangebote bei Depressionen

Den diesjährigen Welttag der Suizidprävention (WSDP) möchte ich zum Anlass nehmen, einmal die Hilfsangebote aufzulisten, die ich kenne und für nützlich halte.

Dabei werde ich in akute und langfristige Angebote unterscheiden, weil erfahrungsgemäß gerade in Akutsituationen Angehörige und Betroffene überfordert sind, aber auch gerade bei der Therpeutensuche nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Akute Situationen

Notaufnahme

Hast du oder jemand in deinem umfeld akute Suizidgedanken, dann geht unbedingt in die Notaufnahme (denn ja: dies ist ein Notfall!).

Dort steht auch immer ein Psychiater zur Verfügung, der dich/euch beraten wird und ggf. eine stationäre Aufnahme anbietet, was aber kein Muss ist. Manchmal reicht schon ein Akutgespräch mit einer*m Arzt*Ärztin. Hat das Krankenhaus selbst eine psychiatrische Ambulanz, kann er/sie dir/euch direkt einen Platz in der Tagesklinik oder anderen Therapieangeboten vorschlagen.

Kannst du/der*die Betroffene nicht das Haus verlassen, so ruft die 112!

Krisendienste

Ist die Situation nicht akut lebensbedrohlich, aber dennoch dringend, sind Krisendienste eine gute Anlaufstelle.

Krisendienste gibt es in jeder größeren Stadt und sie bieten kurzfristig Termine, Beratung und natürlich Anonymität. So gibt es in Berlin den Berliner Krisendient (zu finden hier *klick*) und in Oberbayern den Krisendienst Psychiatrie (hier zu finden *klick*). Dazu kommen noch zahlreiche regionale Dienste.

Ob ein solcher Dienst in deiner Nähe zu finden ist, kannst du über die Seite der Deutschen Depressionshilfe herausfinden *klick*

Notfalltelefon

Deutschlandweit und jederzeit ist die Telefonseelsorge erreichbar. Die Nummern sind gebührenfrei.

0800 111 0111
0800 111 0 222

Außerdem schlüsselt die Internetseite depressionen.net auch regionale Notfallnummern und Kliniken auf. Die Liste findest du hier *klick*

Chats/Mailberatung

Bis vor kurzem wusste ich selbst nicht, dass die Telefonseelsorge auch Chat- und Mailberatung anbietet.

Ich finde diese Möglichkeit super, fürchte ich mich doch selbst vor Telefonaten und kann Gedanken viel eher schriftlich festhalten, als sie in den Hörer zu sprechen.

Die Chatberatung findest du hier *klick*

Und die Mailberatung hier *klick*

Außerdem bietet die U25 Freiburg sowohl Chat-, Mail- als auch persönliche Beratung in Freiburg an. Das Angebot findest du hier *klick*

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Langfristige Angebote

Natürlich kannst du auch mehrfach zu Krisendiensten gehen oder über längere Zeit per Mail betreut werden. Wie oben bereits erwähnt, ist es natürlich auch möglich, über die Notaufnahme in die stationäre Behandlung aufgenommen zu werden oder auch Angebote für tageskliniken zu erhalten.

Trotzdem ist es empfehlenswert, dich nach intensiveren Angeboten (Therapie und die Vorstellung bei einem Psychiater) umzusehen, damit eine Krisensituation niemals oder niemals wieder auftritt. Außerdem rate ich dir, während du/ihr gemeinsam nach einem Therapeuten sucht, als Überbrückung weiterhin Krisendienste oder Mailberatung zu nutzen.

Ich weiß, dass es schwer ist und viel Kraft kostet, einen Therapeuten zu finden, dennoch hilft dir/euch dieser immer noch am besten.

Stationäre Aufnahme

Du kannst auch stationär aufgenommen werden und über 4-8 Wochen engmaschige Betreuung erhalten. Hierbei werden oft auch die Antidepressiva eingestellt und das erste Handwerkszeug an die Hand gegeben.

Klinikadressen findest du über die Seite der Deutschen Depressionshilfe *klick*

Du kannst auch deinen Hausarzt aufsuchen und mit ihm/ihr alles durchsprechen. ohnehin würde ich dir raten, immer zuerst zu deinem Hausarzt zu gehen. Er/sie kann dir direkt eine Überweisung ausstellen.

Teilstationäre Behandlung

Bei Tageskliniken hast du die Möglichkeit, an 5 Tagen pro Woche tagsüber zu den Therapieangeboten zu geben, bist abends aber wieder Zuhause und in deinem eigenen Bett.

Leider existiert keine Liste mit den Kliniken, die teilstationäre Therapien anbieten, doch dies kannst du über die Kliniksuche und der jeweiligen Website der Klinik herausfinden oder bei deinem Hausarzt erfragen.

Ambulante Behandlung

Zuletzt noch einige Worte zur Therapeutensuche.

Du kannst eine Liste mit Psychotherapeuten in der Regel über das Infotelefon deiner Krankenkasse erfragen und diese abtelefonieren.

Außerdem bietet die Seite therapie.de eine Suchmaske an, mit deren Hilfe du eine aktuelle Liste der Therapeuten in deiner Nähe findest, die du zusätzlich filtern kannst (beispielsweise nach Selbstzahler und Kassenpatient*in). Diese Suche findest du hier *klick*

Praktischerweise (ich wollte partout nicht telefonieren) kannst du hier auch Mailadressen einsehen und die Therapeuten einsehen (oder über deren Website jeweils deren Mailkontakt herausfinden)

Zum Erstgespräch bei dem*r Therpeuten*in brauchst du nur deine Krankenkassenkarte. Solltet ihr euch beide miteinander wohlfühlen, wird dir dein*e Therapeut*in ein Formular (ein sogenanntens Konzil) ausstellen, das dein Hausarzt ausfüllt und darin angibt, dass du eine psychologische Therapie benötigst – zumindest in dem Fall, dass deine Krankenkasse die Therapie zahlt. Zahlst du selber, entfällt dieser Punkt.

Gerade Universitätskliniken bieten auch psychologische Ambulanzen an, in denen meist junge Psychologen*innen arbeiten und ebenfalls Therapien anbieten (die auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden). Meiner Erfahrung nach sind Termine hier meist kurzfristiger, jedoch nicht so engmaschig möglich, was dieses Angebot zu einer guten Übergangslösung gestaltet, solltest du auf deinen Therapieplatz warten.

Abschließende Worte

Es ist niemals, absolut NIEMALS eine Schande, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, eine Therapie zu suchen und Psychopharmaka zu nehmen. Du bist nicht Schuld an deiner Situation, sondern die Depression ist es.

Ich weiß, dass es gerade wenn man so krank ist eine gewaltige Anstrengung kostet, auch nur das Haus zu verlassen, geschweigedenn das Internet auf den Kopf zu stellen oder Therapeuten abzutelefonieren/anzuschreiben. Wenn möglich, such dir Hilfe aus deinem Umfeld, lass dir von Freunden/Familie bei der Suche helfen oder such etappenweise während du weiterhin Krisendienste/Ambulanzen/Maildienste nutzt.

Fühlst du dich bei deinem*r Therapeuten*in nicht wohl, dann such unbedingt weiter! Glaub mir, es bringt gar nichts den*die Erstbeste*n zu nehmen und zu denken „dass man je eh nichts anderes findet“. Doch! Du hast diese*n Therapeuten*in gefunden, oder? Dann findest du auch andere!

Die Suche lohnt sich. Weiterleben lohnt sich. Gib niemals auf, okay?

Kommentare mit weiteren Angeboten/Anmerkungen/Erfahrungsberichten sind gerne willkommen!

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Hilfsangebote bei Depressionen

  1. Huhu Cay,
    Vielen Dank für diese ausführliche und übersichtliche Liste mit Hilfsangeboten!
    Und vielen Dank, dass du so kurzfristig mitgemacht hast. 🙂
    Auch, wenn wir mehr über diese Themen sprechen, als noch vor zehn Jahren, ist es immer noch irgendwie mit Scham und Schuldgefühlen behaftet.
    Vielen Dank, dass du Leute ermutigst, sich Hilfe zu holen.

    Viel Liebe,
    Babsi

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