Rezension: Erebos

Um Bücher, die von Videospielen handeln, habe ich eine Weile einen Bogen gemacht. Trotzdem hat Erebos meine Neugier geweckt, nicht zuletzt durch die Rezension von Miss Captain Book und durch den spärlichen Klappentext, sodass ich es regelrecht verschlungen habe, nachdem die liebe Michelle es mir zum Geburtstag geschenkt hatte.

Handlung:

Seltsames geht vor im Staate Dänemark… äh, pardon, an Nicks Schule. Seine Mitschüler verhalten sich seltsam, sind schläfrig oder abwesend und es wird offenbar etwas herumgereicht. Schließlich gelangt auch Nick in den Besitz einer gebrannten CD mit der Aufschrift „Erebos“.

Als er sie in den PC einlegt, findet er sich in einem ungewöhnlichen Spielerlebnis wieder. Erebos lebt von strengen Regeln: du hast nur eine Chance. Du kannst es nur spielen, wenn du eingeladen wurdest und du darfst nicht darüber sprechen.

Obwohl Erebos kein VR-Spiel ist, verschwimmen Realität und Fiktion schnell. Aufgaben müssen in der realen Welt erledigt werden und das Spiel weiß, was Nick sich wünscht. Aber dabei verfolgt das Spiel auch dunkle Absichten, die es schonungslos durch die Schüler austragen lässt.

Meinung:

Dieses Jugendbuch wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und das nicht mit Unrecht. Dennoch hat mich einiges gestört. Mehr dazu aber später.

Die Charaktere sind für das Setting gut ausgearbeitet und vor allem deren Jugendlichkeit kommt gut beim Leser an. So konnte ich jederzeit den Frust, den Nick hatte oder seine Angst und Verwirrung nachempfinden und selbst die typischen, überdramatisierten Teenie- Streitigkeiten mit Freunden verstehen. Auch, dass er nach Erebos süchtig wurde und sich dadurch von seinem besten Freund entfremdete, konnte ich gut nachvollziehen. Die Nebencharaktere blieben jedoch die ganze Geschichte über recht blass, einzig durch die Klärung ihrer Spielernamen in Erebos bekamen einige noch ein wenig Tiefe und ich konnte sehen, wie diese Person gern sein wöllte.

Nicks Entwicklung ist nachvollziehbar. Er ist neugierig und zunächst skeptisch gegenüber dem Spiel, bald süchtig danach und reagiert wütend, wenn man ihn wegen seiner Abhängigkeit zur Rede stellt. Auch warum er Erebos schließlich den Rücken kehrt und wie er sich entschließt, dagegen vorzugehen, ist sehr schön gestaltet. Da mochte ich es sehr gerne, dass Nick zwar wusste, dass Erebos gefährlich ist, er aber immer noch traurig und stellenweise neidisch auf andere Spieler ist. Einzig, dass Nick so viel Kaffee trinkt, fand ich für einen Jugendlichen recht unlogisch. Schon am Frühstückstisch bekommt er ganz gewohnheitsmäßig von seinen Eltern einen Kaffee angeboten, dabei schmeckt den meisten Kids in dem Alter das Zeug doch noch gar nicht und sie greifen eher zu Energydrinks – zumindest meines Empfindens nach.

Die Welt von Erebos ist sehr gut aufgebaut, hier konnte ich keine Logikfehler finden, allerdings bin ich auch kein Spieler und lasse mich dahingehend leicht beeindrucken. Die Aufgaben, die das Spiel stellt, waren sehr gut erdacht und dass es im Kampf tatsächlich nicht nur auf Level, sondern auch Geschick ankommt, mochte ich sehr.

Das Buch ist sehr gut darin, die Sucht, die ein Spiel auslösen kann, zu verdeutlichen und deren Gefahren aufzuzeigen. Neue Gruppen bilden sich in der Schule und diese werden sogar durch das Spielerlebnis zu Straftaten verführt. Was aber wirklich gut ist: ich konnte vollkommen nachvollziehen, warum die Spieler etwas Illegales tun, um Erebos weiterspielen zu dürfen. Diese Abhängigkeit verdeutlichen viele Szenen sehr, sehr eindrücklich, sodass auch ich das ein oder andere Mal schockiert war oder gespannt wissen wollte, wie sich Nick nun entscheidet.

Jetzt kommen wir zur dunklen Seite oder eher: was mir nicht gefallen hat. Nebencharaktere blieben, wie schon erwähnt, sehr blass. Die Absichten des Spiels sind früh an den Aufgaben, die in der Realität ausgeführt werden sollen, auszumachen (zumindest hatte ich eine Ahnung), sodass die Auflösung nicht wirklich überraschend kam, dann aber doch noch mit einer schönen Szene glänzen konnte, die ich nicht spoilern werde. Das Ende des Buches war mir zu kitschig. Vor allem war es zu unerwartet kitschig und auch out of character. So sprechen keine Jugendlichen und hier hatte ich eher den Eindruck, dass die Autorin mit zwang noch ein übertrieben frohes Ende wollte. Das hätte Erebos gar nicht gebraucht.

Zwischendurch war ich auch immer mal wieder verwirrt, weil das Spiel so geschildert wurde, als befände sich Nick in einem VR-Erlebnis. Ich verstehe, dass die Autorin bewusst ein „normales“ Computerspiel nehmen wollte, hätte mir hier aber eine andere Schilderung gewünscht oder dass das Spiel doch in VR adaptiert wird. So blieb es mir immer nicht ganz nachvollziehbar, wie sehr die Spieler von Erebos in das Erlebnis gesogen wurden. Aber hey. Ich bin kein Spieler, wie gesagt.

Alles in allem habe ich Erebos verschlungen und würde es auch Jedem weiterempfehlen, der sich für die Thematik interessiert. Es wartet mit vielen großartig beschriebenen Szenen, Überraschungen und viel Spannung auf und kann letztlich vor allem durch seinen schonungslosen Umgang mit der Spielsucht überzeugen.

Autorin: Ursula Poznanski
Länge (Taschenbuch): 488
Erschienen: 2011
Verlag: Wunderlich Verlag

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