Filmkritik: Auslöschung (Annihilation)

Fünf Frauen, die in ein tödliches Gebiet geschickt werden. Ein Gebiet, aus dem bisher nur ein Mensch lebend wieder herauskam und das sich langsam und unaufhaltsam ausbreitet. Geheimnisse, die sich nicht nur um die mysteriöse Erscheinung ranken. Und schreckliche Ereignisse, die immer wieder von anmutiger Schönheit durchbrochen sind.Aus diesen Zutaten ist „Auslöschung“ (engl. Annihilation) zusammengesetzt und hat mich hierdurch gleichzeitig zutiefst verstört und fasziniert.

Handlung:

Wir begleiten Lena, deren Mann ein Jahr lang verschwunden war, nachdem er in eine geheime Mission berufen wurde. Verändert und mit brüchigen Erinnerungen taucht er bei ihr Zuhause wieder auf, verhält sich seltsam und bricht schließlich zusammen.

Im Militärkrankenhaus wird Lena schließlich eröffnet, dass ihr Mann der erste Überlebende überhaupt ist, der aus Area X wieder aufgetaucht ist. Siet seinem Zusammenbruch liegt er allerdings im Koma.

Lena selbst ist Molekularbiologin und damit bestens geeignet, um Area X gemeinsam mit vier weiteren Frauen zu erforschen. nach kurzen Zögern macht sie sich auf den Weg durch den ölig- bunten Schimmer in das unbekannte Gebiet und gemeinsam mit ihr entdecken wir diesen sich seit 3 Jahren ausbreitenden Bereich, aus dem keines der bisher ausgesanten elf Teams wiederkam.

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Meinung:

Auslöschung ist einer der Filme, die sich unglaublich schwer in Worte fassen lassen.

Zum ersten Mal aufmerksam wurde ich auf den Film durch einen Trailer, der so viele Fragen aufgeworfen hat, dass ich froh war, ihn dann auf Netflix zu finden. Ich wusste nicht, was mich erwartet, hatte aber schon damit gerechnet, dass es kein „leichtes“ Filmerlebnis wird – schließlich kannte und liebte ich schon Ex Machina von demselben Macher.

Es gibt keine lange Einleitung, kaum Erklärungen. Wie in einer Kurzgeschichte wird man in das Geschehen geworfen, das mit einem Monolog von Lena beginnt. Wir lernen sie ein wenig kennen und lüften ein paar ihrer Geheimnisse, bevor dann schließlich ihr Mann wieder auftaucht.

Und hier ist der erste Moment, der so typisch für Auslöschung ist: ich als Zuschauer habe mich zum einen für Lena gefreut, dass ihre große Liebe wieder da ist, aber andererseite merkte ich, dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt und hatte furchtbare Angst. Diese Mischung aus „das ist wunderschön“ und „oh nein, etwas Schreckliches wird passieren“ zieht sich durch viele Szenen des Filmes.

Die Kamera ist nie übereilt, Bilder werden lange eingefangen, oft weitwinklig und meistens mit wenig Musik. Wenn es Musik gibt, dann mildert sie die Bedrohung tatsächlich eher ab, statt sie wie in den meisten anderen Filmen zu steigern.

Die Area X und der Schimmer – ein ölig-regenbogenhaftes Flimmern – werden immer wieder in Szene gesetzt, als die Gruppe ihn betritt. Und wie Lena selbst erzählt: er ist gleichzeitig wudnerschön und furchterregend. In ihm leben unmögliche Pflanzen, anmutige Tiere, aber auch Monster und furchtbarer Schrecken.

annihilation-movie-screencaps-5.pngAlle fünf Personen sind gut ausgearbeitet, in ihren Handlungen plausibel und ich mochte sie alle sehr gerne. Nach und nach erkannte ich ihre Schicksale und Ängste und obwohl sie hätten schwach wirken können, waren sie durch ihre Vergangenheit alle sehr stark geworden.

In manchen Filmen fühle ich mich gestört, wenn es eine auschließlich weibliche oder männliche Gruppe an Hauptfiguren gibt. Bei Auslöschung war das nicht der Fall. Ehrlich gesagt war mir ihr Geschlecht sogar vollkommen egal, es wurde auch nie besonders thematisiert, dass es nun fünf Frauen sind.

Zwar gibt es immer wieder Schießereien udn Actionsequenzen, jedoch wird Auslöschung für mich vor allem durch die ruhigen Szenen getragen und von der Kamera, die mit steriler Gleichgültigkeit furchtbare Schicksale in wunderschönen Bildern einfängt. Der ganze Schimmer und die ganze Area X sind wirklich großartig eingefangen und es ist dieser Kontrast zu der wohl dosierten Gewalt, die Auslöschung für mich wirklich haben instensiv werden lassen.

Nach dem Anschauen war ich ersteinmal richtig verstört. Ich schaue wirklich schlimme Horrorfilme, aber Auslöschung hat mich als Science Fiction Streifen viel mehr mitgenommen, als die meisten von ihnen. Im Nachhinein denke ich dass es diese existentielle Bedrohung ist, die Auslöschung begleitet. Es ist ein tiefergehender Horror, der hier mitschwingt und eine Erkenntnis, die ich auch nur allzu gern von mir schiebe.

Auslöschung hat mich zeitweise richtig gepackt und mir richtige Angst eingejagt. Und das durch Szenen, die vergleichsweise ruhig sind – und trotzdem bedrohlich.

Vieles wird der eigenen Interpretation überlassen. Zwar werden dem Zuschauer auch Erklärungen an die Hand gegeben, doch auch einige Fragezeichen überlassen, die er selbst klären muss.

Ich möchte den Film an dieser Stelle nicht analysieren oder spoilern, habe selbst aber viel dazu gelesen und mag das ja auch persönlich sehr gerne. Das Ende kann etwas flach erscheinen (es hat mich auch zuerst enttäuscht), aber alles in allem passt es zu dem Grundton des zweistündigen Filmerlebnisses.

Auch kann ich mir vorstellen, dass Viele von Auslöschung enttäuscht sein werden. Es ist kein Film für Jeden, das denke ich auch. Bei mir hat er definitiv einen Nerv getroffen, mich zum nachdenken angeregt und ich werde ihn mir sicherlich noch einmal ansehen. Ob er dann genauso intensiv wie beim ersten Schauen sein wird, kann ich nicht einschätzen.

Jedoch machen ihn die vielen Details und die großartigen Ideen auf jeden Fall wiedersehenswert und ich bin froh, dass Garland für seinen Film gekämpft hat und dass er in der Version, die der Regisseur wollte, bei Netflix zu sehen ist. Auch wenn Auslöschung auf der Leinwand noch einmal intensiver gewirkt hätte.

Länge: 115min
Genre: Science Fiction
Regie: Alex Garland
Jahr: 2018

 

 

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