Rezension zu Stephen Kings „Es“ (Kinofilm – 2017)

Im Oktober habe ich mich mit Freunden verabredet, um mal wieder einen Horrorfilm im Kino zu sehen. Wie schön, dass jedes Jahr wieder zu Oktober die Flut an Horrorfilmen zunimmt. So ist es dieses Mal „Es“ geworden – mit reichlich Skepsis meinerseits.

 

Dazu muss ich etwas ausholen. Denn normalerweise bin ich kein Fan von klassischen Monsterfilmen und kann Bedrohungen aus dem All oder dem personifiziertem Böses selten etwas abgewinnen. Ich mag subtilen Horror, der sich erst in mein Hirn frisst, wenn ich über den Film nachdenke.

Der Trailer zu „Es“ sah nun aber so interessant aus, dass ich mich bereiterklärte, dafür ins Kino zu gehen. Ja, denn Kino ist ja teuer.

Ich werde die Handlung an dieser Stelle nicht zusammenfassen. Zum einen sollte sie bekannt sein, zum anderen kann sie jeder Interessierte überall nachlesen.

Hier nun also meine Meinung:

Der Film baut eine tolle Stimmung von Hilflosigkeit und Bedrückung auf. In vielen Abschnitten ist diese Dichte von tiefsitzender Angst förmlich zu greifen.
Die Farben sind entsättigt, lediglich das Clownskostüm scheint grell mit seinem Rot hervor – wie frisches Blut. Das ist wirklich eine tolle Bildsprache. Auch spielt der Film immer wieder mit Erwartungen, mit visuellen Eindrücken und ist sich nicht zu schade, die Spannung lange aufzubauen, um sie dann förmlich explodieren zu lassen.

Die Charaktere – jedes einzelne Kind – sind toll gezeichnet. Jeder Protagonist erhält ausreichen Zeit, eine eigene Backstory und ist mir im Laufe des Films sehr ans Herz gewachsen.

Auch die musikalische Untermalung mochte ich sehr und humoristische Einlagen fand ich sehr passend und oft skurril passend – schließelich sind die Hauptpersonen immer noch Kinder.

Nun zu den negativen Punkten:

Der größte Haken ist für mich, dass der Film sich zu sehr in das Hollywoodklischee presst. Viele Tode sind vorhersehbar und der Heroes Shield hat diesem Film leider nicht gut getan.
Irgendeine Lovestory wird noch in das Szenario gepresst, wobei eine leichte Schwärmerei okay gewesen wäre, zum Ende hin wirkte es für mich aber überzogen.

Leider wird viel Atmosphäre zu Gunsten von Splatter verschwendet, der in einem absurden Showdown endet. Auch hier wieder: typisch Hollywood.

Dabei gehen auch leider sehr schöne Details verloren. Zum Beispiel das Verhalten der Erwachsenen. Während meine Freunde das einfach nur als herzlos gesehen haben, deute ich da viel mehr ein Trauma hinein.
Was, wenn die Erwachsenen selbst Pennywise sahen, Freunde verloren und ihr Trauma in Gewalt, Bemuttern und Perversionen endet?

Zudem wurde ein zweiter Teil angekündigt. An sich finde ich das okay, da die Vorlage ja ein dicker Wälzer ist und ich gerne ein langsameres Erzähltempo mag als ein abgehetztes.

Aber für mich war es deplatziert wie Hinweise gestreut wurden. Die Kinder stellen Nachforschungen an und an einigen Stellen werden Ereignisse der Vergangenheit eingeblendet. Trotzdem stellt Niemand eine Vermutung an, was Es denn nun ist. Das war nicht einmal so eingestrickt, damit man selbst spekulieren konnte, sondern es fühlte sich halbherzig an. „Ätsch, das verraten wir erst in Teil 2“ – Ja, dann arbeitet die Quellen doch besser ein oder lasst es eben ganz weg.

Und dann macht der Film noch einen Fehler, den ich partout hasse: der Bösewicht verrät selbst seine Schwäche. „Ich nähre mich von Angst!“ Nicht, dass man darauf nicht selbst kommen konnte, man muss es dem Zuschauen auch noch dreimal unter die Nase reiben. Wirklich? Lasst doch einfach bestimmte Dinge unerklärt.

Fazit:

Alles in allem halte ich ihn dennoch für sehenswert. Der Film hat seine Momente und die Charaktere sind wirklich, wirklich toll. Zudem ist es toll, wie Humor in die Geschichte eingearbeitet wurde. Vielleicht sollte man nicht mit großen Erwartungen herangehen (das hat mir definitiv gut getan).

Sicher ist dieser Film nicht für Jedermann und einige werden ihn lächerlich finden. Das muss Jeder selbst entscheiden.

Unter all diesem Hollywoodgerüst ist definitiv ein schaurig-klebriger Splatter-Drama-Film zu entdecken, der mit großartigen Bildern und eisig-hilfloser Atmosphäre aufwartet.

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