Plaudereien: Wohin die Magie geht, ihre Dämonen und wie die beiden sich vertragen

Lange war es still hier. Mittlerweile habe ich das Posten auf Facebook zumindest wieder aufgenommen, aber für hier weiß ich im Moment nicht, wie es weitergehen und was ich schreiben soll.

Oh, genug Ideen und vorbereitete Artikel habe ich. Es geht dabei eher um die innere Motivation und um meinen Sinn hinter diesem Blog und der Welt, in die ich euch mitnehmen will.

Der Autorenwahnsinn hat mich wie gesagt ganz gut motiviert, wieder auf Facebook regelmäßig zu schreiben. Facebook ist aber auch ein ganz anderes Medium als dieser Blog. Es dient eher dem Austausch, ist schnelllebiger und soll – zumindest für mich – alle Kanäle auch ein wenig miteinander verknüpfen. Dort kann ich ganz unangestrengt und auch mal plaudernd schreiben.

Für den Blog wollte ich etwas Anderes.

Ich wollte euch vor allem Motivation geben, euer Buch zu schreiben. Ich wollte euch Werkzeuge an die Hand geben, sowohl zum Tippen selbst als auch psychologische Ansätze, die im größeren Sinne dem Schreiben dienen.

Aber seit zwei Wochen stecke ich darin irgendwie fest und spüre einfach eine Blockade, wenn ich daran denke, dass ich hier einfach weitermache, als wäre nichts geschehen. Es ist einiges passiert bei mir in letzter Zeit und ich habe das Gefühl, das muss irgendwohin. Gleichzeitig möchte ich keinen neuen Blog beginnen oder diesen hier mit meinen diffusen Gedanken zuschreiben.

Ihr merkt, wo das hinläuft oder?

Ich habe gar nichts geschrieben und viel nachgedacht, wie es denn hier weitergehen soll. In der Vergangenheit hatte ich schon mehrere Blogs, einen zum Schreiben, einen zu Depressionen, einen für meinen Hund… okay, klammern wir den Hund aus, denn da habe ich schnell festgestellt, dass ich darüber keine ganze Seite schreiben möchte.

Depressionen also, hm?

Den Blog über Depressionen habe ich restlos gelöscht. Und das schon vor einiger Zeit. Das liegt an demselben Grund, aus dem ich diesen hier erstellt habe: ich will immer auch etwas Nützliches für euch kreiieren.

Und ich fand, dass über meine Depressionen zu sprechen, nicht wirklich geholfen hat. Zum einen gibt es ein paar wirklich tolle Seiten, wo man sich ausreichend informieren und austauschen kann, zum anderen habe ich die Gefahr gesehen, dass ich mich als Betroffene immer nur in dem Ist- Zustand drehe.

Und als ich im November 2016 als geheilt aus der Psychotherapie entlassen wurde, war das Thema weitestgehend für mich erledigt.

Oder doch nicht?

Ich beschäftige mich immer noch mit den Stigmata, die psychische Erkrankungen so mit sich bringen. Ich war viel im Austausch mit anderen Betroffenen und hatte auch endlich die Kraft dafür, ein paar liebe Worte an sie zu richten.

Aber ich habe auch immer irgendwo den Schatten gespürt, der noch gelauert hat. Auch wenn ich mit abagewendet und so getan habe, als sehe ich ihn nicht – er war doch immer da und nach einem Gespräch mit meiner Psychologin denke ich, dass ich wohl nicht endgültig geheilt bin, vielleicht nie sein werde.

Und das brach alles irgendwie durch Chesters Tod hervor. Und was er für mich bedeutet hat.

Linkin Park waren nicht nur irgendeine Band für mich.

Sie haben so wahre Worte gefunden und waren dabei immer so gute Freunde, jeder unheimlich talentiert und unheimlich herzlich. Vor allem Chester war immer so offen, so ehrlich und trotz allem, was er erlebt hat, so liebenswert und fürsorglich. Nicht in den schlimmsten Alpträumen hätte ich mir vorstellen können, dass er sich das Leben nimmt, wo er doch das Vorbild so Vieler war, wo er doch eine liebende (und endlos coole) Frau und sechs Kinder hatte.

Dass die Band sich trennt – ja. Ein Unfall – ebenfalls tragisch, aber okay. Aber ausgrechnet Selbstmord? Das will ich immer noch nicht wahrhaben. Ich weiß nicht, ob das überhaupt irgendjemand nachvollziehen kann, aber der Schock sitzt – in Verbindung mit familiären Tragödien – immer noch sehr tief und wechselt zwischen Verneinung und tiefster Trauer.

Ja, ich breche immer noch regelmäßig in Tränen aus und fühle mich, als wäre die Welt auf einmal sehr viel dunkler geworden. Und für eine Woche hatten mich auch wunderbar meine Dämonen wieder im Griff.

Ich merke, mit wie viel Bullshit wir uns jeden Tag rumschlagen (müssen), wo doch Menschenleben und Liebe das einzige sind, was wichtig sein sollten. Und das macht mich wütend, aber gleichzeitig fühle ich mich hilflos und möchte etwas tun. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

Und ich frage mich immer mehr, wie mein Anteil daran aussehen soll, die Welt ein Stück besser zu machen.

Hilft es denn, wenn ich über Depressionen schreibe? Hilft es vielleicht für Außenstehende, um besser zu verstehen?

Denn dass Depressionen schwer zu verstehen sind, das haben die vielen Kommentare in Social Media vor zwei Wochen gezeigt. Und klar, Selbstmord ist schwer zu verstehen und noch schwerer, nicht zu verurteilen, wenn man gesund ist. Von daher verstehe ich schon, warum man so etwas als „feige“ verurteilt.

Aufklärung fehlt, damit solche unbedachten Worte nicht heraussprudeln und mehr Menschen nachvollziehen können, dass so ein Kommentar unangemessen ist.

Sollte ich also meinen Teil zur Aufklärung beitragen?

Ich bin da zwigespalten. Von Anderen wurde mir herangetragen, dass meine Geschichte, mein Lebensweg ihnen Mut und neue Hoffnung gegeben hat, was ich wunderschön finde. Genau so etwas will ich doch bewirken, oder?

Aber hier ganz offen zu schreiben fühlt sich trotzdem anders an. Und das alleine schon wegen den Menschen, die hier mitlesen. Dabei sind Freunde, Familie – und ich weiß einfach nicht, ob ich bereit für diesen Schritt bin oder ob es dumm ist, solche Angst davor zu haben, wenn es doch offenbar einigen Menschen helfen könnte.

Andererseits möchte ich mich nicht (mehr) über meine Depressionen definieren, sondern über das Schreiben. Aber beides gehört irgendwie dazu, oder?

Ich schreibe diffus, weiß aber im Moment einfach nicht, wie ich all das, was in meinem Kopf ist, hier irgendwie rüberbringen soll. Ich habe immer noch keinen festen Fahrplan für meinen Blog gefunden.

Vielleicht werde ich aber öfter Posts wie diesen und den letzten einschieben und einfach plaudern ohne ersteinmal einen größen Sinn in diesen Beitrag zu sehen.

Am wahrscheinlichsten ist, dass ich mich mal wieder selber unter Druck setze und alles von mir kommt.

Es ist doch völlig okay, einfach auch Beiträge draufloszutippen und ganz konfus über alles zu schreiben. Es ist doch okay, wenn Beiträge mal nicht sinnvoll sind und mal nicht Jemandem helfen. Das Schreiben (und dazu gehört ja auch der Blog) sollen für mich ja auch Spaß machen und aus meinem Inneren kommen.

Ich sollte weg von den Gedanken nach Reichweite, nach dem einen „Kernthema“, das mein Blog verfolgen sollte und auch weg von dem Streben, hieraus endlich umbedingt etwas Erfolgreiches entstehen zu lassen. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich damit wieder gegen eine schon bekannte Wand gefahren bin.

Dem Streben nach dem Durchbruch. Nach dem Finden meiner Berufung, nachdem ja so Vieles gescheitert ist und ich dachte, endlich den Druck, den meine Eltern und ich mir selber mache, abgeschüttelt zu haben.

Jetzt, wo ich das erkannt habe, kann ich hoffentlich besser gegenwirken und öfter einfach schreiben, was mir auf dem Herzen liegt und raus muss.

Und diese Gedanken heute mussten definitiv raus.

Danke an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Bleibt magisch, ihr Lieben 🙂

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3 Kommentare zu „Plaudereien: Wohin die Magie geht, ihre Dämonen und wie die beiden sich vertragen

  1. Ich habe dich nicht vergessen. Wir hatten vor Kurzem auf deinem Blog Kontakt und das ist mir noch gut im Gedächtnis geblieben. Deshalb, schreib bitte einfach, was du willst und wie du es willst. Ob über deine Projekte, Ideen oder Dämonen, wichtig ist, dass es sich für dich richtig anfühlt. Wenn ich eins aus meiner letzten Veröffentlichung gelernt habe, dann, dass Reichweite und Likes nichts ausmachen. Nicht einmal Verkäufe sind wichtig. Es geht vor allem um Austausch und ein Miteinander. Beides ist immer bereichernd auf verschiedenen Ebenen. Niemand muss besonders helfen oder besonders informativ sein. Wen deine Text interessieren, der bleibt oder kommt ab und an wieder, um zu schauen, was du so machst. Meistens im Stillen und unbemerkt.

    Jedenfalls hoffe ich, du findest deine Kraft wieder und lernst, mit deinem Schatten zu leben.

    +Mika+

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    1. Hallo Mika,
      stimmt. Diesen Punkt habe ich komplett aus dem Blick verloren, aber ich besuche auch sehr oft Blogs und lese nur Beiträge, ohne etwas dazulassen. Und auch dich habe ich nicht vergessen (und regelmäßig gestalkt 😉 )
      Es tut auch gut zu hören, dass Reichweite und Likes für eine Veröffentlichung nichts bedeuten. Ganz anders als ich zuvor geglaubt hatte.
      Und mit meinen Dämonen… ich komme schon ganz gut mit ihnen klar und werfe ihnen ab und an einen Keks rüber. Ich habe mich nur gefragt, wo ihr Platz hier ist und ob ich ihnen eine Stimme einräumen möchte.
      Ich danke dir für all diese Inspirationen und schick dir liebe Grüße!

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