Über Pseudonyme und wie sie zu pflegen sind

Bevor Diskussionen aufkommen: natürlich ist Caytoh Nezach mein echter Name – ich würde doch nie ein Pseudonym benutzen! (Achtung, Sarkasmus) Doch warum gerade dieses, wieso ich eines benutze und ob das auch was für dich ist, das erfährst du hier.

Dass Autoren gerne Pseudonyme verwenden ist ein alter Hut.

Joanne K. Rowling veröffentlichte ihren Krimi unter dem männlichen Pseudonym Robert Galbraith. Auch Eric Arthur Blair sollte euch eher unter seinem Autorennamen George Orwell bekannt sein.Aber bevor du dir jetzt ein großartiges Pseudonym wie „Doktor Isodore Thalmar III. von Dunkelfels“ ausdenkst, solltest du gut abwägen.

Denn es gibt gute Gründe, es nicht zu tun.

Durch ein Pseudonym bist du schlechter zu finden und schlechter als du zu identifizieren. Du fängst sprichwörtlich von Null an. Einerseits ist das ein tolles Gefühl, andererseits sind Leute immer irritiert, wenn sie sich für dein Werk interessieren und du ihnen erklären musst, dass sie es unter dem Pseudonym „Doktor Isodore Thalmar III. von Dunkelfels“ finden.

Wenn du einen von Haus aus schon ungewöhnlich und toll klingenden Namen hast gibt es auch wenig Grund, überhaupt unter einem Decknamen zu schreiben.

Schützen kannst du deinen Künstlernamen übrigens erst, wenn du überregionale Bekanntheit erreicht hast. Das Festlegen eines Pseudonyms schützt dich also nicht vor namensrechtlichen Problemen.

Manche Leser lassen sich übrigens von einem künstlichen Namen abschrecken und glauben, dass du dadurch deine Unzulänglichkeiten verstecken möchtest. Den echten Namen zu nutzen deutet also auf Selbstbewusstsein und Selbstbekenntnis hin.

Aber warum solltest du ein Pseudonym benutzen?

Gründe, die gerne aufgeführt werden, sind die Genrewahl. Schreibst du z.B. erotische Romane und willst, dass das nicht Jeder erfährt, solltest du einen Künstlernamen wählen.

Viele Autoren, die in verschiedenen Genres schreiben oder etwas vollkommen Neues probieren wollen, benutzen innerhalb der Genres eigene Pseudonyme. Wenn du also beispielsweise Kinderbücher und Horror schreibst wäre es gut, dies durch unterschiedliche Namen abzugrenzen. Auch Joanne K. Rowling hat sich für ein Pseudonym entschieden, um ihren Krimi von Harry Potter abzugrenzen.

Dass dieses Pseudonym männlich war, sollte die Zielgruppe besser ansprechen, da bei Krimis männliche Autoren bevorzugt werden. Auch diese Geschlechterpräferenz ist also ein wichtiger Aspekt.

Der Vorstoß in ein neues Genre und die gezielte Abgrenzung von alten Werken kann durch ein Pseudonym begünstigt werden, damit Fans der einen Richtung nicht von dem Richtungswechsel enttäuscht werden.

Der wohl wichtigste Grund für die meisten ist der Schutz der Privatsphäre. Wenn du unter Pseudonym veröffentlichst, nimmst du eine andere Identität an und schützt dadurch Partner, Freunde und Kinder.

Und auch wenn du einen Allerweltsnamen wie „Max Mustermann“ hast, sollte sich ein Pseudonym für dich lohnen. Leser finden dich nämlich einfacher, wenn sie nicht an den anderen hundert Max Mustermanns vorbei müssen.

Aber Pseudonym ist nicht gleich Pseudonym.

Es gibt nämlich offene und geschlossene Pseudonyme. Geschlossene sind die Künstlernamen, wie du sie dir vorstellst. Niemand kennt deinen echten Namen und in der Literaturbranche bist du nur als „Doktor Isodore Thalmar III. von Dunkelfels“ bekannt. Keine Details von deinem Privatleben dringen ans Licht.

Offene Pseudonyme werden immer häufiger praktiziert, wobei dein echter Name trotzdem zu finden ist und Jeder einsehen kann, dass du hinter deinem alter Ego steckst. Das bringt den Vorteil, dass deine Leser und deine treuesten Fans dich jederzeit überall finden können und du trotzdem im Buchhandel die Vorteile eines Pseudonym genießen kannst. Soll heißen: nicht Jeder erkennt auf den ersten Blick, dass dieses Buch von dir ist.

Aber bevor du loslegst solltest du gründlich überlegen. Wähle dein Pseudonym mit Bedacht.

Nicht nur die bereits erwähnte Geschlechterpräferenz in einigen Genres solltest du bedachten, wenn du dir einen Künstlernamen wählst, sondern auch, ob dein Name englisch oder deutsch klingen soll. Und wie er überhaupt klingen soll.

Im High- Fantasy- Bereich werden beispielsweise englische Namen bevorzugt.

Auch das bereits erwähnte Namensrecht kann dir einen Strich durch die Rechnung machen, denn du darfst dich nicht einfach wie ein bereits bekannter Autor nennen.

Um zu prüfen, ob es dein gewähltes Pseudonym schon gibt, kannst du es probeweise googlen und entsprechend abändern.

Zudem ist es im Idealfall leicht zu merken und zu erinnern und hat einen guten Klang.

„Doktor Isodore Thalmar III. von Dunkelfels“ ist also aus verschiedenen Gründen kein gutes Pseudonym. Ganz davon abgesehen, dass du für den gefälschten Doktortitel ordentlich Ärger bekommen würdest.

Ganz schön viel zu beachten, oder? Und wie kam ich nun eigentlich zu meinem Pseudonym?

Puh, ich habe ganz schön lange überlegt.

Ausschlaggebend war, dass mein echter Name (Nadine Wahl) einer dieser Allerweltsnamen ist. Alleine in meinem Heimatort, der nur 13.000 Einwohner hat, wohnen 10 Nadine Wahls.

Ich habe leider auch keinen coolen Zweitnamen oder einen praktischen Spitznamen, der mir dienen könnte.

Deshalb war für mich früh klar, dass ich ein Pseudonym brauchte. Dafür hatte ich folgende Anforderungen: Es sollte

  1. für mich eine Bedeutung haben
  2. geschlechtsneutral sein

Und so kam ich auf „Caytoh Nezach“, beides ist von Charakteren aus meinen Geschichten genommen. Das sind Romane, die ich nie fertiggeschrieben habe und die eine große Bedeutung für mich haben. Denn ich habe sie mit meiner besten Freundin gemeinsam geschrieben.

„Caytoh“ habe ich also bei dem Vornamen des einen Hauptcharakters und „Nezach“ von einem anderen Hauptcharakter zweckentfremdet. So leben diese Romanleichen doch noch irgendwie in mir weiter.

Wie ist das bei euch? Verwendet ihr ein Pseudonym und wenn ja, welche Gründe hattet ihr dafür?

Bleibt magisch und voller Wunder, ihr Lieben!

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6 Kommentare zu „Über Pseudonyme und wie sie zu pflegen sind

    1. Hahahaha xD Oh Gott, die Befürchtung habe ich auch! Ich in 5 Jahren: „Was zum Teufel hast du dir gedacht, Vergangenheits- Nadine???“ xD
      Das sind gute Punkte, die du ansprichst. Identifizieren ist wirklich wichtig, das kommt aber mit der Zeit und merke ich jetzt langsam. Wegen dem Gefallen von dem Pseudonym ist das natürlich schwieriger, da weiß man ja nie, was die Zukunft bringt. Da denke ich aber auch, dass wenn man eine gute Geschichte hinter seinem Pseudonym vertritt dann dieses auch nicht so schnell über bekommt. Man kann ja auch Freunde nach Meinungen fragen, das habe ich auch gemacht 🙂
      Und wenn dann immer noch Zweifel da sind, dann eben lieber sein lassen. Es zwingt dich ja letztlich Keiner zu einem Pseudonym 🙂

      Gefällt 1 Person

  1. Ich schreibe unter einem Pseudonym, habe dafür bewusst einen Allerweltsnamem gewählt, weil mit meinem richtigen Namen nichts zu machen wäre. (Vorname zu peinlich u verisssen, Nachname zu lang)
    Nach drei Jahren habe ich mir den Namen in meine Papiere eintragen lassen, als geschützten Künstlernamen. Hatte nie irgendwelche Probleme wegen Namensrecht oder so, obwohl es bestimmt tausende Victoria Benners gibt. Clou daran ist: So lange keine von denen schreibt u veröffentlicht, ist das kein Problem. Ein Pseudonym muss also nicht wegfallen, nur weil es ein Allerweltsname ist.

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    1. Hallo Victoria,
      ich danke dir für diese tolle und informative Ergänzung! Da hast du natürlich recht, man kann auch ganz bewusst einen Allerweltsnamen nehmen. Das ist sicher immer eine persönliche Entscheidung. Ich habe im echten Leben ja auch einen Allerweltsnamen, aber der klingt einfach nicht. Victoria Benner ist ein sehr tolles Pseudonym! ich danke dir nochmal herzlich für deine Erfahrungen 🙂
      Liebe Grüße aus Berlin
      Cay‘

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  2. Ursprünglich habe ich als chickinwhite Fanfiction geschrieben. Jetzt arbeite ich an meinem ersten Roman und finde meinen richtigen Namen eher für Sachbuch geeignet.
    Ich glaube ich wähle eine ungewöhnliche Kombi aus meinen beiden Vornamen.
    ^.^
    (…und falls mal erotische Ausflüge anstehen auch was ganz anderes :D)

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    1. Eine Kombination aus dem richtigen Namen finde ich auch immer eine tolle Variante – dann fällt das Identifizieren mit diesem „künstlichen“ Namen auch deutlich leichter. Haha! Und wenn ich mal Erotik schreiben sollte würde ich das auch mit einem eigenen Namen abgrenzen 😀 Ich möchte dann doch nicht unebdingt, dass Jeder meiner Freunde darauf kommt, dass ich das bin xD

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