Bin ich fett und hässlich?

Ich habe X- Beine. Meine Finger sind krumm, genauso wie meine Nase. Ich habe eine Brille und ein paar Kilo zu viel. Mehrere Narben verunzieren meine Haut, einige selbst zugefügt, andere durch Operationen und Unfälle. Ich habe Skoliose (meine Wirkelsäule ist krumm) Das ist mein Körper, so sehe ich aus.

Bis vor einigen Jahren habe ich versucht, meinen Körper durch Diäten zu verändern. Ich habe Kleidung danach gekauft, ob sie mir steht, ob ich darin schlank aussehe und nicht danach, ob sie mir gefällt.

Seit Kurzen hat sich etwas drastisch verändert.

Meine Einstellung zu meinem Körper und zu dem, was die Werbeindustrie gerne von mir wollen.

In Magazine, in der Werbung, in Filmen und in den sozialen Medien wird ein groteskes Ideal gepredigt:

Als Frau soll ich bitte schlank sein, lange Haare haben, ein symmetrisches Gesicht besitzen. Ich soll glücklich grinsend meine Smoothies in die Kamera halten, meine Haut gleichmäßig. Keine Makel, keine Cellulite.

Grotesk nenne ich dieses Ideal deshalb, weil es mittlerweile so von Photoshop verzerrt wird, dass ich nicht einmal mehr Supermodels in diesem Ideal glaube.

Ein paar Kilos mehr werden sofort verteufelt. Diäten sind schick, Diäten sind ein Muss, um eine Bikinifigur zu bekommen. Jeder, der nicht in dieses Schublade passt, muss sich unschöne Beleidigungen anhören.

Das reicht von „Du fette Kuh!“ bis zu „Bist du schwanger?“. Alles davon ist unhöflich und unangemessen. Und dabei kratzen sie sprichwörtlich nur an der Oberfläche. Sie bewerten ja nur mein Äußeres, denn das muss ich ändern.

Ich muss meinen Körper anpassen. Das ist ja heute kinderleicht. An jeder Ecke finden sich Kurse und Angebote. Warum also nicht ein bisschen anstrengend und mich verändern?

Um meinen Charakter, um meine Persönlichkeit muss ich mich ja nicht kümmern. Die ist einfach da. Mein Körper ist das, was ich ändern muss.

Stop.

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Richtig klick hat es bei mir erst durch den Kommentar eines Bekannten gemacht.

„Warum lässt du dich denn immer so gehen? Willst du dich nicht für Scott (meinen Freund) mal etwas herausputzen?“

So etwas löst in mir eher Protest als Kränkung aus. Und das war genau der Protest, den ich brauchte um zu sagen: „Scheiß doch auf das alles!“

Ja, ich scheiße darauf, ob ich ein paar Kilos zu viel habe, ob Körperteile krumm sind, ob ich wegen meinen kurzen Haaren androgyn wirke. Ich scheiße darauf, ob Menschen mich fett, hässlich oder dumm nennen. Es verletzt mich nicht mehr.

Denn es ist mein Körper. Das bin ich. Und ich möchte mich wohlfühlen und glücklich damit sein, wie ich aussehe.

Wenn du glücklich bist und 10 Kilo zu viel hast, dann ist das doch prima!

Wenn du glücklich bist und laut BMI magersüchtig, dann lass sie doch reden!

Wir sollten damit aufhören, uns so sehr auf das Äußere zu fixieren. Wir sollten aufhören, immer nach schlanker, gebräunter, ebenmäßiger zu streben.

Das ist nicht die Normalität. Menschen sind unebenmäßig. Es gibt Dicke und Dünne, Große und Kleine, Kompakte und Drahtige. Wir sollten uns an der Vielfalt freuen, statt sie in der Homogenität zu versenken.

Wir sind so auf unsere Körper fixiert, dass es lächerliche Ausmaße annimmt

Wir machen Diäten nicht, um gesünder zu sein, sondern um schlanker zu sein. Wir gehen ins Fitnessstudio nicht um fitter zu sein, sondern um unsere Muskeln zu präsentieren.

Ich steige aus. Ich mach da nicht mehr mit.

Diäten boykottiere ich komplett. Stattdessen informiere ich mich zu gesunder Ernährung. Die vegetarische Lebensweise liegt mir persönlich am Herzen, aber natürlich ist das nur mein Standpunkt, mein Anliegen.

Ich kaufe Kleidung, die mir gefällt. Ich bin dazu übergegangen, Männerkleidung zu shoppen, wenn mir die besser passt. Männerjeans sind großartig! Habt ihr die schon mal probiert? Die haben so große Taschen, dass ich da mein Handy und mein Portemonnaie drin unterkriege! Wahnsinn!

Für Make-Up war ich nie der Typ. Irgendwie habe ich es immer geschafft, mir Schminke in die Augen zu schmieren und dann den ganzen Tag brennende Augen zu haben. oder Ausschlag vom Puder.

Und natürlich mache ich Sport, aber ich mache ihn, um mich fitter zu fühlen, um Rückenmuskulatur aufzubauen und meinen Bandscheibenvorfall zu kaschieren. ich mache Sport, weil er meine Stimmung aufhellt, weil ich sonst den ganzen Tag sitze. Ich suche noch nach eine Disziplin, die mir wirklich Spaß macht.

Natürlich kümmere ich mich um meinen Körper. Natürlich achte auch ich auf mein Aussehen. Aber mir geht es vor allem darum, dass ICH mich wohlfühle und ich nicht dem Ideal eines Anderen entspreche

Statt so auf unserem Körper fokussiert zu sein und nur auf dessen Änderung, sollten wir auch mal in uns hinein schauen, sollten an unserer Persönlichkeit arbeiten, an unserem Charakter.

„Aber ich muss mich nicht ändern!“

Natürlich musst du dich nicht von Grundauf ändern.

Ich rede hier davon, dich selbst kennenzulernen. Zu erfahren, wer du eigentlich bist, dich auf das Wesentliche zu fokussieren. Und dich damit für das Positive zu konditionieren.

Das hilft dir nämlich ein erfülltes und glückliches Leben zu führen und die beste Version von dir zu sein.

Seien wir mal ehrlich.

All die Menschen, die sich quälen, sich formen, die abnehmen und dann schlank und schön sind – sind die alle Glücklich? Macht es dich glücklich? Wenn ja, dann mach weiter so! Aber ich denke doch, dass der Großteil mir zustimmt.

Schlank sein, große Brüste haben, Falten weggespritzt bekommen… all diese Dinge machen nicht glücklich. Nicht wirklich.

Sie rauben Zeit, Geld und Energie, die du anderweitig aufwenden könntest.

Zum Beispiel um Erinnerungen zu schaffen. Um das Buch zu schreiben, das du schon so lange schreiben wolltest. Um dir einen Hund zu holen. Um den Zeichenkurs anzufangen.

Es ist doch scheißegal, wie wir aussehen, solange wir glücklich sind, solange wir uns und unseren Körper lieben.

Ich finde, durch Instagram und Facebook hat sich diese äußere Fixierung weiter zugespitzt. von Bildern lachen uns all diese perfekten Menschen entgegen.

Aber weißt du was?

Auch die haben Pickel, auch die haben unreine Haut. Auch die werden alt, werden krank. Auch der schönste Mensch ist unperfekt, sieht einmal nicht so vorteilhaft aus. Es ist an uns, wie wir damit umgehen.

Stehen wir zu diesen Fehlern? Oder kritisieren wir sie, bis die entsprechende Person den Weg einer weiteren Schönheits-OP wählt?

Ich finde den ersten Weg viel schöner.

Denn wir alle haben unsere Fehler. Und irgendwie sind es ja auch unsere Fehler, unsere Unperfektheiten, die uns alle ausmachen, die uns differenzieren, so furchtbar liebenswert machen

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Ich zum Beispiel kann wahnsinnig stur sein. Ich schreie Jemanden auch gerne an, wenn wir streiten. Ich bin nachtragend, ein Morgenmuffel und gehe schnell durch die Decke. Ich bin wahnsinnig introvertiert und stoße damit öfter Leuten vor den Kopf. Und klar, ich rede schlecht über andere Menschen, um mich besser zu fühlen. Ich möchte immer alles alleine schaffen und bin dann sauer, weil mir Niemand hilft (paradox, oder?). Und ich bin weltklasse im Prokrastinieren. Wirklich. ich erledige manche Aufgaben nur, weil sonst die Welt untergehen würde.

Manche dieser Schwächen versuche ich zu ändern. Das ist ein langer Weg. Er macht aber viel Spaß udn ich merke, wie ich gelassener werde, nicht mehr so schnell aus der Haut fahre.

Manche dieser Dinge kann ich nicht ändern. Ich bin eben introvertiert. Ich kann es nur anders kommunizieren, auch mir selbst gegenüber.

All diese Fehler gehören zu mir. Mein Körper gehört zu mir.

Es trifft mich immer noch, wenn mich Jemand beleidigt. Klar. Komplett an mir vorüber geht das nicht. Aber deshalb ändere ich mich nicht. Ich ändere mich ja nicht für Andere. Ich ändere mich für mich.

Und ich habe beschlossen, dass ich vor allem eins sein möchte: authentisch.

Denn die authentischen Menschen wirken anziehend, sie sind selbstbewusst, sie strahlen von innen. Und genauso möchte ich sein.

Ich möchte ein guter Mensch sein, ein guter Freund. Ich möchte empathisch sein, kreativ und authentisch. Und ich gebe mir Mühe, immer meine beste momentan mögliche Version zu sein.

Also: bin ich fett und hässlich? Ganz egal! Hauptsache ich bin glücklich.

Sehr empfehlen kann ich euch dazu die positiv- verrückte Youtuberin Jacko Wusch, die ebenfalls Videos zu diesem Thema veröffentlich hat:

Bin ich hübsch oder hässlich?

Bin ich zu dick für den Strand?

Bleibt magisch, meine Lieben und umarmt eure Unperfektheit!

Eure Cay‘

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