Schreiben ist wie atmen: eine Schreibroutine entwickeln

Ein Buchprojekt kommt nicht voran und die Kurzgeschichte, die ich heute schreiben wollte, habe ich nicht einmal angefangen.

Jeder kennt es: das Gefühl nicht voranzukommen und heute schon wieder nicht geschrieben zu haben. Neidisch schiele ich auf Autorenkollegen, die erfolgreich ein Buch nach dem anderen beenden und angeben, täglich zu schreiben.

Aber täglich schreiben – wie geht das überhaupt? Und muss das sein?

Jein.

Ich habe festgestellt, dass es mehrere Arten von Autoren gibt. Es gibt die, die wie ganz natürlich schreiben können, sobald sie etwas Luft haben oder die wie versessen an ihrer Idee arbeiten, bis sie niedergeschrieben ist.

Und dann gibt es da mich. Ja, ich musste mir meine Schreibroutine erarbeiten, weil ich sonst Projekte monatelang nicht zu Papier bringen würde und mich hinter der Ausrede verstecken würde, keine Zeit zum Schreiben zu haben. Deshalb schreibe ich täglich.

Das hat gleich mehrere Gründe:

  1. Durch das tägliche Schreiben komme ich nicht aus der Handlung und muss nicht lange überlegen, wo es weitergeht.
  2. Ganz automatisch beschäftige ich mich jeden Tag mit meiner Geschichte.
  3. Es ist für mich zur Gewohnheit geworden, vor dem zu Bett gehen noch zu schreiben.
  4. Ich fühle mich gut, wenn ich vorankomme.
  5. Dieses gute Gefühl spornt mich dann zu noch mehr an.

Voranzukommen ist mir dabei besonders wichtig, weil ich merke, wie sehr es mich motiviert.

Oder im Gegenteil: wie es mich demotiviert, wenn ich auf einer Stelle trete.

Um es vorauszunehmen: nein, du musst gar nicht täglich schreiben und kannst dir trotzdem eine Schreibroutine aufbauen. Aber wie geht das? Wie festige ich eine Routine?

Laut der Positiven Psychologie benötigt der Mensch etwa 60 Tage, um eine neue Gewohnheit zu manifestieren.

Ich habe ehrlich gesagt länger gebraucht, etwas um die 5 Monate, bis das Schreiben ein fester Bestandteil meines Tages war. Zudem ist es mit Gewohnheiten wie mit körperlicher Fitness: ich muss denoch am Ball bleiben. Bin ich raus, dann bin ich raus.

Gut geeignet, um eine Routine aufzubauen, ist das Camp NaNo. Der Austausch in den Gruppen und die Illustration deines Fortschrittes in einem Diagramm motivieren vor allem, wenn du gerade damit startest, deine Routine aufzubauen. Ich erwähne absichtlich das Camp, weil du dir hier deine eigenen Ziele setzen kannst und nicht an die 50.000 Wörter wie im großen NaNo gebunden bist. Zur Routinebildung ist das ein ganz wichtiger Punkt, weil du dir selbst realistische Ziele setzen musst.

Denn der erste Baustein auf dem Weg zu einer Routine führt über eben diese Zielsetzung – deine täglichen Ziele oder deine Ankerpunkte, die du in einer Schreibsession schaffen möchtest.

Das kann eine Wortzahl oder eine Seitenzahl sein, lässt sich aber auch gut auf das Plotten übertragen.

Beispiele: „Ich plotte jeden Tag ein Kapitel.“ oder „Ich schreibe jeden Tag 1.000 Wörter.“

Ich schreibe beispielsweise jeden Tag eine Seite. Eine Seite, Din A4, 10er Schrift aber ganz egal in welchem Schrifttyp.

Deine Ziele sollte aber nicht zu ambitioniert sein. Erfahrungsgemäß lohnt es sich, kleinere Ziele zu setzen. Wenn du also weißt, dass du ohne Probleme 1.000 Wörter am Tag schaffst, dann nimm dir 700 vor und freue dich über jedes Wort mehr, dass du zusammenbekommst. Das tut der Eigenmotivation unheimlich gut und lässt auch einmal Platz für Hänger, die durchaus vorkommen werden.

Der zweite wichtige Schritt ist dir einen Zeitrahmen festzulegen, was Hand in Hand mit der Zielsetzung geht.

Willst du täglich 30 Minuten oder eine Stunde zum Schreiben aufbringen? Und was ist realistisch, um dein tägliches Ziel zu erreichen?

Als nächstes schaust du, wo du in dem Tagesverlauf Zeit einräumen könntest.

Kannst du direkt schreiben, wenn du nach Hause kommst? Ist abends vor dem Schlafengehen eine gute Option? Oder morgens nach dem Aufwachen?

Wichtig ist, dass du dir das Schreiben wie einen Termin einplanst und ihm damit dieselbe Wichtigkeit wie deiner regulären Arbeit zukommen lässt.

Hast du einen sehr vollen Tag lohnt es sich zu schauen, ob du irgendwo raffen kannst und ob eine Stunde früher aufstehen oder später ins Bett gehen eine Option für dich wären.

Haruki Murakami steht beispielsweise um 4 Uhr auf, wenn er an einem Buch arbeitet.

Ich bin jedoch ganz und gar kein Morgenmensch. Wenn ich von der Arbeit oder der Uni komme, ist es oft für mich zu unruhig zum Schreiben oder ich habe noch andere Punkte wie Hausaufgaben auf meinem Pensum. Vor dem Schlafengehen hat sich deshalb für mich als die beste Zeit herausgestellt.

Als letztes ist es wichtig, dass du auch wirklich ungestört bist und du auch dein umfeld vorbereitest. Das meint sowohl deine Familie, deinen Partner und Freunde als auch deinen Arbeitsplatz. Schau, dass sie dir einen ablenkungsarmen Schreibraum schaffen und Rücksicht auf dein Vorhaben nehmen. Türen, die ich schließen kann, sind für mich Gold wert!

Diese Regeln sind natürlich nur Richtwerte. Du musst selber herausfinden,w as für dich passt. Wenn du nicht täglich schreiben kannst, dann richte dir einen festen Tag in der Woche ein. Am Ball bleiben lohnt sich. Und auch wenn Schreiben manchmal mühselig und auf diese Weise auch wie Arbeit erscheinen kann, wirst du sehen, dass du vorankommst und mehr und mehr Erfüllung dein Werk begleitet.

Ich hoffe, ich konnte dir heute ein wenig helfen.

Bleib magisch und voller Wunder!

Dein Cay‘

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