Ist es wirklich schlimm, Autor sein zu wollen?

„Ich musste mich irgendwann zwischen Studium und dem Schreiben entscheiden“, heißt es in dem Interview mit Charlotte Link (entnommen aus der aktuellen Flow Nummer 25). Dabei gemeint war ihr Jurastudium, das sie zu einem soliden Abschluss mit gutem Gehalt geführt hätte.

Ein respektabler Beruf als Anwalt oder ein Schriftsteller, dessen Lebensplanung eher unsicher, unvorhersehbar ist?

„Willst du dich bei all den Anderen einreihen?“, fragte sie ein Freund, der sie durch Straßen mit Kanzleien führte. Und wofür sie sich letzlich entschied, wissen wir alle.

Aber was ist mit mir?

Ich habe nicht solch einen Freund, der mir in den Arsch tritt und sagt: „Tu es.“

Im Gegenteil. Ich habe Eltern, die mir sagen, ich solle „etwas Anständiges“ lernen, ich habe Freunde, die es für unrealistisch halten, Schriftsteller zu sein und ich habe einen Partner, der sichere Perspektiven solchen unsicheren Standbeinen vorzieht.

Wenn Autor – dann doch nur nebenbei, doch nur neben dem eigentlichen Beruf. Denn dass ich einen Verlag finde, dass ich wirklich meinen Lebensunterhalt damit verdiene, das seien nur Fantastereien.

Aber ist es wirklich so schlimm, Autor sein zu wollen? Und zwar nicht nur so „nebenbei“, sondern ein richtiger Autor, der sich den ganzen Tag seiner Liebe, dem Schreiben, widmet?

Ist es schlimm, sich zwischen Studium und Autorsein zu entscheiden?

Denn das Schreiben – echtes Schreiben – verdammt anstrengend ist, das habe ich im letzte Jahr mehrfach erlebt. Ich studiere auf Bachelor, arbeite zudem Teilzeit für ein Institut und bin kleingewerbliche Tierfotografin. Da bleibt meist nur abends Zeit zum Schreiben.

Seit über 13 Monaten schreibe ich beinahe täglich und treibe mein Herzensprojekt voran. Ich will fertig werden. Auch freie Zeiten zwischendurch nutze ich mit plotten oder gar mit dem Schreiben an dem Netbook. Das ist kräftezehrend, denn oft schreibe ich noch bis spät in die Nacht und muss früh wieder raus. Seit über einem Jahr.

Seit den letzten Tagen geistert mir immer wieder diese Frage durch den Kopf. Wäre es denn so schlimm, alles hinzuwerfen und einfach das zu tun, was ich liebe und zwar den ganzen Tag?

Schauen wir mal an, was mich davon abhält.

Ich bin jetzt 26 Jahre alt. Bisher habe ich keine abgeschlossene Berufsausbildung, keinen akademischen Grad. Mir selbst macht das im Moment noch wenig aus (vielleicht ändert sich das, wenn ich 30 bin), denn ich habe viele Kompetenzen erworben, kann in Fotografie, Grafikdesign und einigen medizinischen und psychologischen Fragen glänzen.

Es stört jedoch meine Außenwelt.

Im weiten Kreis sind das Bekannte, denen ich erzähle, was ich gerade mache und dass ich noch keinen Abschluss habe, der auch in naher Zukunft nicht absehbar ist. Oder bei Jobangeboten, die mich detailliert zu meinem Lebenslauf ausquetschen. Stellen, die ich nicht bekomme, weil ich kein Zertifikat über die Pflegerausbildung oder in Photoshop habe.

Im engeren Kreis sind das meine Familie und Freunde. „Du musst doch etwas Anständiges lernen!“ Erst einmal Abschluss haben, dann könne ich „rumspinnen“ wie sie es nennen.

Nur wer einen Abschluss hat, kann es im Leben weit bringen.

Das ist ein Irrglaube. Nur ein Konstrukt. Dieser Glaube von Abschlüssen ist nur ein Konstrukt, ein Gedankenkonstrukt, eine künstliche Erwartungshaltung.

„Alle machen es so und deshalb muss ich es auch so machen!“ – mehr ist es nicht. Und wenn ich es darauf reduziere, klingt es für mich beinah lächerlich.

Für Viele funktioniert dieser Lebensweg gut, die meisten sind damit glücklich und zufrieden. Aber nicht alle. Muss ich mich also in dieses Korsett aus gesellschaftlichen Normen zwängen, bevor ich der sein kann, der ich sein will?

Wenn ich so darüber nachdenke, rebelliert etwas in mir. Dann möchte ich regelrecht herrisch meinen Kopf zurückwerfen, davonstolzieren und posaunen, dass ich nun Autor werde.

Warum mache ich das nicht?

Weil ich Angst habe. Natürlich habe ich Angst und Sorge, nicht gut genug zu sein und zu scheitern. Oder nicht genug Geld zu verdienen.

Und die Erwartungen, die Vorstellungen meiner Eltern sind zu einem großen Teil auch meine eigenen geworden. Nicht nur sie erwarten einen Abschluss von mir, auch ich selbst. Und auch ich habe ihre Glaubenssätze verinnerlicht, dass ich nur etwas wert bin, wenn ich einen Abschluss habe.

Zu wissen, dass das alles nur Gedanken sind, hat mich enorm weitergebracht in den letzten beiden Jahren. Überwunden habe ich diese Glaubenssätze aber noch lange nicht.

Außerdem ist da noch eine weitere Angst: die Angst zu enttäuschen. Nicht nur meine Eltern, nicht nur meinen Freund. Auch mich selbst. Und dadurch vielleicht die Beziehung zu verlieren oder selbst wieder in ein Loch zu fallen.

Wie geht es weiter?

Damit hadere ich selbst sehr.

Für mich steht fest, dass ich Druck- und Medientechnik nicht weiter studieren will. Dass das keine Richtung ist, in der ich arbeiten möchte.

Für mich steht die Option auf Veterinärmedizin offen. Oder einem journalistischem Studium. Beides kann ich mir noch nicht ganz vorstellen.

Denn Schreiben und Studieren ist immer ein Drahtseilakt, so wie auch Charlotte Link das erkannt hat. Wer ernsthaft schreiben will, kann das nicht „so nebenbei als zweites Standbein“.

Ich werde dann die nächsten Monate mal in mich gehen und brainstormen und euch natürlich auf dem Laufenden halten.

Bleibt magisch und voller Wunder!

Eure Cay

 

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6 Kommentare zu „Ist es wirklich schlimm, Autor sein zu wollen?

  1. Ein sehr ehrlicher und schöner Beitrag! ich stimme dem zu, dein pensum ist schon echt hart!
    Wie lange studierst du denn nun schon?
    ich finde es nicht schlimm sein Studium abzubrechen und etwas neues anzufangen, so lange man das macht was man liebt.
    Ich selbst würde hauptberuflich keine Schriftstellerin werden wollen, einfach weil ich denke nicht gut genug zu sein. Aber ich kann den Traum sehr gut nachvollziehen, und ja, man sollte Träume haben! Also gib nicht auf und geh deinen Weg, egal was deine Eltern oder Freunde sagen denn es ist DEIN Leben und man hat nur eins 😉
    Fertig mit meinen Weisheiten, ich bin gespannt wie es bei dir weitergeht!

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    1. Hallo Nadine 🙂
      Ich denke auch, dass Vollzeitautor nicht unbedingt für Jeden Schreiberling etwas ist. Weniger weil man vielleicht nicht gut genug ist, eher auch aus eigenen Präferenzen. Viele schreiben ja nur zum Spaß oder ganz für sich. Ich habe eine Freundin, die meinte, sie würde die Freude am Schreiben verlieren, wenn sie es hauptberuflich machen müsste und Druck vom Verlag dahinter ist. Ich muss sagen, dass ich gerade unter Druck und wenn es einzuhaltende Termine gibt am besten funktioniere. Und auch so den ganzen Tag schreiben könnte. Von daher: da ist wohl Jeder anders und das ist auch gut so!
      Mit dem Studium ist das eine längere Geschichte… ursprünglich habe ich Medizin studiert, bin da aber an einer Prüfung gescheitert und im 6. Semester rausgeflogen. Dann habe ich ziemlich unüberlegt gleich mit Psychologie angefangen und stürzte dadurch noch tiefer in eine Krise, weil das sehr ähnlich aber doch ganz anders war. Und irgendwie nicht das war, was ich wollte. Also habe ich das abgebrochen und mir einige Zeit genommen, in verschiedenen Jobs gearbeitet, eine Therapie gemacht und die Fotografie für mich entdeckt. Durch die Fotografie kam ich dann zu Druck- und MEdientechnik, weil ich mich da vor allem für Grafikdesign interessierte. Aber jetzt merke ich einfach, wie viele Egos in der Branche aufeinanderprallen, wie groß der Konkurrenz- und Preisdruck ist. Es macht unheimlich Spaß, Sachen zu designen. Die Kunden sind allerdings anstrengend und ich merke, dass mir alles unheimlich viel Kraft raubt. Gerade bin ich an einem Punkt, wo ich entweder wahnsinnig viel Energie reinstecken könnte, um mir einen Namen zu machen oder mich umorientiere. Und darüber schwebt die Frage: WILL ich denn so viel Energie aufwenden? Also bin ich in dieser Schwebe und muss erst einmal herausfinden, was ich wirklich möchte.

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      1. Ja, das ist bei mir auch so. Ich brauche manchmal echt Druck, damit ich in die Pötte komme. Aber letzen Endes habe ich auch beim Fotografieren gemerkt: bekommt man Aufträge, die gefallen nicht und man kann nicht kreativ sein, schränkt das den Spaß erheblich ein.

        Oh das mit der Prüfung tut mir leid, das ist bei mir in Kunstgeschichte teilweise auch ziemlich bescheuert geregelt. Ah okay, verstehe ich. Im wie vielten Semester bist du denn grad? Ich selbst habe mir die Grenze gesetzt nach drei Semestern abzubrechen ist noch vollkommen in Ordnung, aber nach vieren wird’s schon schwierig, man hat dann ja schon viel hinter sich gebracht und so hat man dann wenigstens was in der Tasche. Ich bin aber auch soweit, dass man sich nicht unnötig quälen sollte. Okay, das kann ich verstehen, manche Berufe sind einfach sehr schwierig, auch ein Grund warum ich niemals in einem Verlag arbeiten wollen würde. 😉 Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!

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        1. Du sagst es! Mit Aufträgen ist das immer so eine Sache. Ich finde aber, bei Fotografie bin ich noch viel freier, kann mehr eigene Projekte angehen. Bei Grafikdesign bin ich doch immer sehr vom Kunden abhängig und seinen Wünschen. Aber ich freue mich voll auf dein fertiges Manuskript. Wenn du einmal Testleser brauchst, stehe ich gerne zur Verfügung 🙂
          Ich bin erst im 2. Semester, also noch sehr am Anfang. Wenn ich im 4. wäre oder kurz vor Schluss würde ich mich einfach durchbeißen. Aber Kunstgeschichte klingt sehr spannend und auch inspirierend. Aber auch sehr anspruchsvoll. Wo stehst du da gerade?

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  2. Ich denke, dass du bei deinen Überlegungen auf jeden Fall den finanziellen Aspekt nicht aus den Augen verlieren darfst. Wenn man weiß, dass man mit dem Schreiben finanziell über die Runden kommen kann, kann man sicherlich alles andere beiseite werfen und ganz Autor sein. Aber vorher? Von was willst du leben?
    Ich habe viele kleine Autoren bereits kennen gelernt. Sie lieben das Schreiben so wie du, aber finanzielle Sicherheit geht vor: Ein passender Nebenjob ist bei den meisten drin, das Studium wird irgendwie nebenbei gehändelt, denn ein Abschluss sollte schon sein. Einfach als Sicherheit für später. Viele wollen ja auch mal Kinder oder ein Haus. Da ist finanzielle Sicherheit nicht unwichtig. Es geht deinen Eltern sicherlich nicht um den tollen Abschluss, sondern die Gewissheit, dass du es mal gut hast im Leben. Und das so ein zerstückelter Lebenslauf sich schwierig auf de Arbeitsmarkt macht, liegt nicht an den erwarteten Abschlüssen, sondern an dem Eindruck, den das hinterlässt: Jemand, der Dinge nicht zu Ende bringt, der sich nicht entscheiden kann… Das sind nicht die Qualitäten, die man in höheren Jobs gern sieht…
    Zudem: Dein Studium bestimmt nicht deinen späteren Beruf. Die wenigsten arbeiten später in den Gebiet, in dem sie studiert haben. Wenn du sowieso Autor werden willst, warum noch einmal das Studium wechseln? Bring das, was du tust, doch lieber zu einem Ende und schau dann, wo du Arbeit findest. Irgendwas kreatives würde sich da bestimmt finden. Und das wolltest du doch, sonst hättest du doch nicht Drucktechnik angefangen oder?

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    1. Natürlich ist der finazielle Aspekt wichtig. Den Nebenjob würde ich auch weiter behalten. Gerade ist diese Gesamtkombination nur sehr anstrengend und Studium nebenbei läuft gar nicht gut. Wir haben viele große Projekte und teilweise auch wichtige Kunden, die Ergebnisse von uns Studenten erwarten. Das Studium würde noch 3 Jahre dauern. durch 1 Jahr würde ich mich auch durchbeißen, so sinkt aber gerade sehr die Motivation. Ich verstehe dich da vollkommen, wirklich. Es ist ein sehr wichtiger Punkt, finanziell unabhängig zu sein. Und das ist ja auch ein Grund,w arum ich nicht alles hinwerfe und das jetzt durchziehe.

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